Im Rahmen der POLESTAR Forschungs-Projekte entstand die Studie von Katrin Grenz: Kontrollierte Effekte eines zehnwöchigen Pilates-Trainings auf die Wirbelsäulenform, die isometrische Maximalkraft der Rückenstrecker und klinisch-psychologische Parameter
Forschungsvorhaben
In der vorliegenden Studie soll die Effektivität der Pilates-Methode auf Wirbelsäulenformkennziffern und Rückenstreckkraft untersucht werden. Überprüft werden die Wirbelsäulenformkennziffern, Wirbelsäulenlänge, Lotabweichung, Rumpfneigung, Beckenhochstand, Beckentorsion, Kyphosewinkel, Lordosewinkel, Dornfortsatzrotation und Wirbelseitabweichung. Kraftwerte werden in Form der maximalen isometrischen Rückenstreckkraft aufgenommen.
Zusätzlich sollen durch die Erhebung eines Schmerzscores (CR10) (Borg, 1998) gegebene Rückenschmerzen subjektiv-klinisch erfasst werden. Eine Kontrollgruppe wurde zeitgleich auf dieselbe Weise untersucht. Darüber hinaus werden die Probanden der Pilatesgruppe nach der Intervention Fragen zum Befinden, in Form eines offenen Interviews, gestellt. Ziel dieser Arbeit ist es, Effekte der Pilates-Trainingsmethode auf Wirbelsäulenformkennziffern, Rückenstreckkraft und Rückenschmerzen zu untersuchen.
Daraus ergeben sich folgende statistisch zu prüfende Hypothesen: (Alternativhypothese)H1(1): Die Entwicklung der Wirbelsäulenlänge der Pilatesgruppe unterscheidet sich signifikant von der Entwicklung der Wirbelsäulenlänge der Kontrollgruppe. H1(2): Die Entwicklung der Rumpfneigung der Pilatesgruppe unterscheidet sich signifikant von der Entwicklung der Rumpfneigung der Kontrollgruppe. H1(3): Die Entwicklung der Lotabweichung der Pilatesgruppe unterscheidet sich signifikant von der Entwicklung der Lotabweichung der Kontrollgruppe. (...)
Studiendesign
Der Studienzeitraum erstreckte sich über zwölf Wochen und entspricht einem Pre-Post Design. In der ersten Woche wurde zur Erfassung des Ist-Zustandes ein Eingangstest (t1) durchgeführt. Dieser beinhaltete zum einen die Messung der Wirbelsäulenformkennziffern und der Rückenstreckkraft, zum anderen die Aufnahme von klinisch-psychologischen Parametern. In den darauffolgenden zehn Wochen absolvierten die Probanden der Pilatesgruppe ein Trainingsprogramm mit speziell integrierten Rückenübungen.
Die Probanden änderten, abgesehen vom neuen Trainingsprogramm, ihre Lebensgewohnheiten nicht. Nach der zehnwöchigen Trainingsintervention wurden im Ausgangstest (t2) alle Messungen und Datenerhebungen wiederholt und die Pilatesgruppe im offenen Interview nach dem aktuellen Befinden befragt.
Ergebnisse/Fazit
Die Untersuchungen der Wirbelsäulenform zeigten aufrichtende Effekte der Wirbelsäule bei der Pilatesgruppe. Neue Rückenstreckerübungen wurden gezielt eingeführt, um neue Trainingsreize bei den trainierten Probanden zu gewährleisten. Die Ergebnisse wurden als valide und trainingsspezifisch eingestuft. Eine Erhöhung der maximalen isometrischen Rückenstreckkraft wurde nicht erwiesen. Die erhobenen Schmerzscores (Cr10) (Borg, 1998) reduzierten sich zwar, waren aber aufgrund der geringen Probandenzahl nicht repräsentativ.
Die qualitative Befragung ergab, dass sich das Pilates-Training positiv auf das subjektive Wohlbefinden ausgewirkt hat. Pilates ist somit kein kurzlebiger Fitnesstrend, sondern eine fundierte Methode, die sich positiv auf die Wirbelsäule und somit auf die Gesundheit auswirken kann. Sie kann daher zur Prävention und Rehabilitation von Rückenschmerzen beitragen.
Ergebnisse in Kurzübersicht: (...)
Die Entwicklung der Wirbelsäulenlänge (VP-DM) war abhängig von der Gruppenzugehörigkeit (Interaktionseffekt: F(1, 22)= 6,018; p=0,023*) (Abb. 36). Die Pilatesgruppe entwickelte sich deutlicher in Form einer Aufrichtung, indem sich die Wirbelsäulenlänge um 10,5 mm vergrößerte. Die Kontrollgruppe wies nur eine um 0,5 mm größere Wirbelsäulenlänge auf
Die Entwicklung der Lotabweichung war abhängig von der Gruppenzugehörigkeit (Interaktionseffekt: F(1,22)=7,424; p=0,012*) (Abb. 37). Die Pilatesgruppe entwickelte sich deutlicher in Richtung einer frontalen Aufrichtung, indem sich die Lotabweichung um 2,5 mm verringerte, während die Kontrollgruppe eine größere Lotabweichung um 3,2 mm nach der Wartezeit aufwies
Die Entwicklung des Beckenhochstandes war abhängig von der Gruppenzugehörigkeit (F(1,22)= 4,303; p=0,050*) (Abb. 38). Die Pilatesgruppe entwickelte sich leicht im Sinne einer Schiefstandregulation und verringerte sich um 1,1 mm während die Kontrollgruppe einen 0,5 mm größeren Beckenhochstand aufwies
Die Entwicklung des Kyphosewinkels war abhängig von der Gruppenzugehörigkeit (Interaktionseffekt: F(1,22)= 5,004; p=0,036*) (Abb. 41). Die Pilatesgruppe entwickelte sich deutlicher in Form einer thorakalen Aufrichtung, einer Verringerung des Kyphosewinkels um 2,1°, während für die Kontrollgruppe im Nachtest eine um 2,2° rundere Kyphose vorlag
Zusammenfassend erfuhr die Pilatesgruppe in Abgrenzung zur Kontrollgruppe eine thorakale Aufrichtung (KW + VP-DM) und eine frontale Aufrichtung (Lot + BHS), die Entwicklung der weiteren Wirbelsäulenformkennziffern waren nicht signifikant abhängig von der Gruppenzugehörigkeit. Es gab keine lumbosakralen Effekte (LW + BNG).
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